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Wertewochen Lebensmittel 2015 – Essen gemeinsam kennen lernen!

„Tomaten!“ rufen und Bao, Nikki und Kenan gleichzeitig auf die Frage, was denn eigentlich der Hauptbestandteil von Ketchup sei. Als sie dann in eifriger Gruppenarbeit zu dritt in nur zehn Minuten einen fruchtigen, gesunden Ketchup selbst zusammengerührt haben, stauen die Kids ungläubig. Aber die Verwunderung verwandelt sich schnell in Stolz. Mit dem Topf unterm Arm laufen die Jungs von Klassenkamerad zu Klassenkamerad und jeder muss die frisch gemachte Soße loben. Ich stehe daneben und grinse glücklich.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich mit Kindern koche und es liebe. Die Begeisterung, die Neugier und der Eifer sind beeindruckend. Jeder will helfen, rühren, probieren. Bei der Auftaktveranstaltung zu den „Wertewochen Lebensmittel 2015“ mit dem diesjährigen Thema „Ich kenne mein Essen“ durften gleich zwei Schulklassen gleichzeitig Saucen kochen, Pausenbrote belegen und gesunde Burger kreieren. Das Ziel war es, das kreativste und leckerste Pausenbrot zu machen. Die Aktion wurde von der Senatsverwaltung für Verbraucherschutz initiiert und mit vielen fleißigen Helfern wie dem Senator Thomas Heilmann und Blogger Wurstsack im Cooking Club des Berliner Olympiastadions umgesetzt.

Mein Fazit: Ich kann immer nur wieder sagen, wie wichtig es ist, Kindern ein Bewusstsein für Lebensmittel an die Hand zu geben. Man sollte Kids probieren, ausprobieren und auch aussuchen zu lassen. Meiner Meinung nach sollte die Küche in einem Haushalt für die Kleinen kein unbekannter Raum, sondern ein sinnlich-interessanter Ort sein. Ich selbst durfte bereits als Kleinkind in der Küche helfen, schnibbeln und mitbestimmen. Schon damals habe ich Obst genauso gern gegessen wie Schokolade, Cola und Kuchen haben mich wenig interessiert, frisches Brot mit gebratenen Austernpilzen oder Spinat mit Spiegelei hingegen gehörten zu meinen Leibgerichten.

Heute spielt Essen eine herausragend wichtige Rolle in meinem Leben. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich die letzte TK-Pizza gegessen habe, würde einen gemeinsamen Kochabend jeder Kneipentour vorziehen, Lebensmittel weg zu schmeißen bereitet mir fast körperliche Schmerzen. Ich bin mir hundertprozentig  sicher: Die immer offene Küchentür hat viel dazu beigetragen…!

Hier eine kleine Anregung für den nächsten gemeinsamen Kochtag mit den Kids.

Fruchtiger Tomatenketchup

  • 1 Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 2 EL Sonnenblumenöl
  • 5 EL Tomatenmark
  • 200 ml Gemüsebrühe oder Wasser
  • 3 EL Apfelmus
  • 1 große Prise gemahlener Zimt
  • 1 große Prise Currypulver
  • 1 EL Agavendicksaft (optional)

Die Zwiebel und den Knoblauch schälen und fein würfeln. Das Öl in einem Topf erhitzen. Die Zwiebeln und den Knoblauch darin anschwitzen. Dann die Herdtemperatur reduzieren. Das Tomatenmark, die Brühe (oder Wasser), das Apfelmus, den Zimt sowie das Currypulver dazugeben. Wer es süß mag, kann jetzt noch einen Esslöffel Agavendicksaft dazugeben. Den Ketchup etwa zehn Minuten bei geringer Hitze köcheln lassen, anschließend mit dem Stabmixer pürieren.

 

Fotos: Christoph Schieder

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Pasta machen in der Toskana – die wohl schönste Familiensache der Welt.

Die Mama, die Oma, die Schwester, der kleine Sohn sowie Papa und Küchenchef Andrea: Alle zusammen stehen in der großen Küche mit dem lodernden Holzofen, kneten Pasta, rühren Ragout, pflücken Gemüse im Restaurant-Garten. Und das jeden Tag. Schöner kann ich mir ein Familienleben kaum vorstellen und auch die Familie Franci sieht ziemlich glücklich dabei aus.

Heute darf ich für einen Tag Teil der putzigen Patchwork-Sippe sein und Pasta machen. Genau genommen Trüffelpasta. Ich liiiiieeeebe Trüffel!

Aber von vorne. Am allerersten Abend in der Toskana wurde uns von unserem Gastgebern im Agritourismo die Trattoria Vallerana empfohlen. Dort aßen wir dann regionales Rind, jede Menge heimische Wurstspezialitäten und wunderbare, gefüllte Nudeln. Wie ich eben so bin, fragte ich dort beim Dessert den Kellner, ob man in der Küche wohl einmal beim Pastamachen zusehen könne… Beim Bezahlen wurden wir prompt für den nächsten Morgen um 10 Uhr in die Küche bestellt. Ob es ok sei, Ravioli mit Trüffel zu machen, das stünde ohnehin auf dem Tagesplan“ JAAAACKPOT!

Ein bisschen aufgeregt „Welches praktische Urlaubsoutfit wähle ich?, wie verständigen wir uns?, dürfen wir auch helfen oder nur zuschauen?“ stehen Tammo und ich pünktlich in der Küche. Dort liegen bereits schneeweiße Kochjacken und Schürzen für meinen Freund und mich bereit. Kurz wird die gesamte Familie vorgestellt (Mama, Oma, Schwester, Tante Sohn,…) und die Eier zum Tisch gebracht. Los gehts!

Während Küchenchef Andrea Franci 28 Eier, 2 Kilo Pastamehl und 1 Kilo Hartweizengries zusammenschüttet, erzählt er, dass er in Südtirol kochen, English und ein bisschen Deutsch gelernt hat.“ Dabei zeigt der Familienvater stolz den knallgelben Teig und erklärt, dass man ohne Pastamaschine noch ein paar Eier mehr nehmen müsse, etwa 10 Eier pro Kilo Mehl. So jedenfalls hätte es ihm seine Großmutter beigebracht.

Während die Nudelmasse in der großen Maschine knetet, kommt Andreas Mutter mit dem Ricotta und Probierlöffeln zum Arbeitstisch. Sie zeigt mir den Mangold, den Parmesan und die Trüffelcreme, die die Füllung so geschmackvoll machen. Dann darf ich alles kosten und würde am lieben die komplette Schüssel weg löffeln, aber dazu komme ich nicht. Denn nun müssen die Raviolis ausgerollt und gefüllt werden.

Dazu nehmen wir allerdings den Teig von gestern. “ Denn der neue muss ruhen“, erklärt Andrea. Eine kleine Portion für die Kids eine große für mich. Ich weiß nicht, ob Andrea nur feundlich sein will oder ich mich doch gar nicht so ungeschickt angestelle, auf jeden Fall darf ich nach einer kurzen Einführung plötzlich die gesammte Produktion übernehmen. Ausrollen, füllen, zukleben, ausstechen. WOW, macht das Spaß!

Während ich arbeite, läuft der Chef immer wieder zum Kühlhaus, präsentiert uns aufgeregt den marmorierten und monströsen Rinderrücken, der heute morgen frisch geliefert wurde, dann das passende Bild von dem Maremma-Rind auf seinem Handy, die Slow-Food-Wurst mit wildem Fenchel und die frischen Lamminnereien. „Die Gäste bekommen das Fleisch, wir behalten das Innere und Beste für die Familie.“ Aha, so geht Perso-Essen in der Maremma! Apropos… Ob wir nicht zum Mittagessen bleiben möchten. Es gäbe nichts Aufregendes… nur ein paar Spaghetti aglio olio, Lamm-Herz-Ragout, Trüffel-Crostini und Zucchini aus dem Garten…

Schon sitzen alle zusammen am großen Tisch im Wintergarten und ich weiß jetzt schon, dass dieses Erlebnis mein großes Urlaubshighlight sein wird!