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Wie schmeckt Südafrika?

Superfreundliche Menschen, köstlicher Wein, tolle Landschaften und so viel gutes Essen. Kaum ein Land hat mein Herz auf Anhieb so berührt wie Südafrika. Aber der kulinarischen Reihe nach…

Wie bei all meinen Reisen wollte ich vor allem heraus finden: Wie schmeckt eigentlich Südafrika?

Meine Suche begann in Kapstadt, der Hauptstadt Südafrikas mit fast 4 Millionen Einwohnern.

Hier hatte ich das große Glück, an einer kulinarischen Tour teilnehmen zu dürfen, die mir gezeigt hat, wie modern und hip Kapstadts Gastronomie ist. Es gibt kleine Micro-Breweries, Gin-Manufacturen, jede Menge Sauerteig-Bäckereien, Hipster-Cafés und sogar ein Bacon-Restaurant.

Ich kann sehr empfehlen, an einer geführten Tour teilzunehmen. So kann man viele Insider-Infos über die Stadt erfahren, kommt mit Einheimischen ins Gespräch und lernt ganz nebenbei noch andere nette Touris kennen. Hier die Website von meiner zuckersüßen Tourguidedin: www.capefoodwine.com

Wenn man in Kapstadt ist, sollte man unbedingt einen Tisch im „La Tête“ reservieren. Das hübsche Lokal an der Bree Street verfolgt das „From Nose to Tail“ Konzept. Das heißt, neben Lamm-Koteletts und vegetarischen Gerichten stehen auch Bries, Schweine-Bäckchen und Kalbszunge auf der Karte. Das alles schmeckt aufregend, modern und köstlich. Das Beste: Man kann dem attraktiven Küchenchef Giles in der offenen Küche beim Braten zuschauen. https://www.latete.co.za/

Ganz anders, aber genauso spannend, bunt und lecker geht es in den Townships am Stadtrand zu. Auch hier empfiehlt es sich, eine geführte Tour zu buchen und sowohl die BBQ-Spezialitäten der Einheimischen zu kosten (dort ist man mit 50 Cent pro Bratwurst dabei) als auch in dem sehr hübschen Lokal „4roomed“ einzukehren. Hier interpretiert die Chefköchin Gerichte aus Ihrer Kindheit neu, serviert wird alles im liebesvoll dekorierten und überdachten Garten. Www.4roomedekasiculture.com

Township Südafrika

Nach all den tollen Restaurants, hippen Gastro-Konzepten und Township-Streetart ging es bei mit weiter ins viel ruhigere und unfassbar hübsche Stellenbosch. Die Universitätsstadt liegt etwa 50 Kilometer östlich von Kapstadt entfernt und ist von unzähligen Weingütern mit tollen Restaurant umgeben. Viele der Weingüter verfolgen in ihren Lokalen das nachhaltige From-Farm-to-Table -Konzept. Das heißt, das Gemüse und auch oft sogar das Fleisch kommen direkt von den umliegenden Feldern und Weiden regional und superfrisch auf den Tisch.

In der Region habe ich mich am meisten in Boschendal verguckt. Das superfreundliche Weingut liegt zwischen Stellenbosch und Franschhoek und ist umgeben von Rosenbeeten, Gemüsefeldern und Picknickplätzen.

Tipp: Hier gibt es die beste hausgemachte Leberwurst mit Sauerteigbrot zum Frühstück! http://www.boschendal.com/

Boschendal

Wenn man ein paar Nächte in Boschendal übernachtet, sollte man unbedingt bei meinem Kumpel Rob vom Weingut Haut Espoir in Franschhoek vorbei schauen. Bei ihm gibt es tollen Wein mit einer phänomenalen Aussicht über das ganze Tal. Außerdem ist Rob ehemaliger Rugby-Spieler, immer offen für einen Chat und überhaupt der coolste Weinbauer, den ich je getroffen habe. www.hautespoir.com/

 

Meine Liste könnte ich hier ewig weiter führen. Aber ich empfehle Euch, einfach schnell selbst einen Flug zu buchen und sich von der Freundlichkeit und Schönheit Südafrikas verzaubern zu lassen. Psst… Dort ist es nicht nur superlecker sondern auch noch viel günstiger als hier bei uns. Alle Infos dazu: www.dein-suedafrika.de/meinesafari 

Auf meinem Youtube-Kanal gibt es auch ein Video zu diesem Beitrag.

Schaut doch gern vorbei! https://www.youtube.com/watch?v=yAPsvzQwm30&t

Alle Reise-Infos zu Südafrika findet Ihr hier:

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Camping-Küche deluxe! Beinscheiben-Ragout und Thymian-Walnuss-Stockbrot

Wer mich kennt, weiß inzwischen: Ich verreise gern. Wer mich noch besser kennt, weiß, ich liebe Campen. Am allerliebsten natürlich wild und mit köstlichem Essen. Alles was man für die Hotelübernachtung spart, wird quasi sofort in tolle Lebensmittel investiert. Camping-Küche deluxe!

Kochen und Campen!

Wunderbar und witzig, dass ich jetzt für eine Camping-Zeitschrift die Kochseiten füllen darf. In der ersten Ausgabe der Auto Bild Reisemobil haben wir in Brandenburg (trotz des Winters) am Campingplatz Ruhlsdorf Lagerfeuer gemacht, im Dutch Oven Rinderbeinscheiben geschmort und Walnuss-Thymian-Stockbrot gebacken.

Herrjee war das romantisch und lecker. Ich kann es kaum erwarten, dass der Sommer kommt. Denn dann kann man dort auch übernachten. Ich habe mir vorsichtshalber schon Mal einen Zeltplatz reserviert! 🙂

Für alle, die lieber in richtigen Betten schlafen: Dieses Rezept kann man auch sehr gut im Backofen machen. Sowohl das Ragout, als auch das Stockbrot. In den jeweiligen Rezepten vermerke ich für Euch, was Ihr dann bei der Zubereitung beachten müsst! Viel Spaß beim Nachkochen!

Beinscheiben-Ragout mit Pinienkern-Gremolata

  • 1 Zwiebel
  • 2 große Möhren
  • 3 Stangen Staudensellerie
  • Knoblauch
  • 2 EL neutrales Öl
  • 4 Rinderbeinscheiben mit viel Fleisch und verhältnismäßig wenig Knochen
  • (à ca. 300 g)
  • 1 EL Tomatenmark
  • 1 TL Zucker
  • 1 EL Mehl
  • 1 Liter trockener Rotwein
  • 400 ml Rinderfond
  • 1 Zimtstange
  • 3 Zweige frischer Rosmarin
  • schwarzer Pfeffer, frisch gemahlen
  • 1 kleines Bund glatte Petersilie
  • 1 unbehandelte Zitrone
  • 50 g Pinienkerne
  1. Die Zwiebel, die Möhren, den Sellerie und den Knoblauch in kleine Würfel schneiden.
  2. Den Topf vorheizen, das Öl hinein geben und das Fleisch von beiden Seiten kräftig anbraten. Dann das Fleisch raus nehmen und die Gemüsewürfel anbraten. Nun Tomatenmark und Zucker kurz mitrösten. Dann das Mehl über das Gemüse geben, verrühren und dann mit Rotwein und Brühe ablöschen. Zimtstange und Rosmarin in den Sud geben, das Fleisch darauflegen, salzen und pfeffern und Deckel darauf. Nun 3 Stunden bei geringer Wärme am Feuer schmoren. (Im Backofen bei 150 Grad)
  3. Dann den Deckel öffnen, das Mark aus Knochen kratzen und unter die Sauce rühren. Zum Schluss alles mit der sogenannten Gremolata verfeinern. Dazu Petersilie, abgeriebene Zitronenschale und Pinienkerne fein hacken und im Topf über das Fleisch streuen.

 

Walnuss-Thymian-Stockbrot

  • 250 ml Wasser
  • 500 g Mehl
  • 1 Päckchen Trockenhefe
  • 1 EL Honig
  • 80 g Walnüsse ohne Schale
  • 4 Zweige frischer Thymian
  • 1 TL Salz
  • 2 EL neutrales Öl (z.B. Sonnenblumenöl)

 

1. Das Wasser lauwarm erwärmen und mit dem Mehl, der Hefe und dem Honig mischen. Den Teig mit einem feuchten Tuch abdecken und in der Nähe des Feuers ca. 40 Minuten gehen lassen. In der Zwischenzeit die Walnusskerne grob hacken und die Thymian-Blätter vorsichtig von den Stielen streifen. Wenn der Teig sein Volumen verdoppelt hat, die Walnusskerne, Honig, Salz, Öl und Thymian vorsichtig unterkneten. Den Teig nochmals abgedeckt ruhen lassen.

2. Den Teig um einen Stock (keine Nadelhölzer verwenden) wickeln und am Feuer rundherum knusprig backen. .

Im Backofen: Den Ofen auf 220 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Aus dem Teig kleine Brötchen formen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Zugedeckt nochmals 10 Minuten ruhen lassen. Dann eine Tasse Wasser auf den Boden des heißen Backofens schütten und die Brötchen auf mittlerer Schiene ca. 15 Minuten backen.

Und so sieht meine Camping-Küche dann gedruckt aus.:)

 

Vielen Dank an Thomas Starck für die spitzen Fotos! Ich freue mich schon auf die nächste Produktion!

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Top 5 – die besten Gerichte in Vietnam! Gerollt, gewickelt, gedippt..

Ich habe mich verliebt.

Verliebt in ein Land, das so freundlich, warm, warmherzig, modern, chaotisch, traditionell und vor allem lecker ist, dass ich jetzt schon meinen nächsten Trip dort hin plane.

Gerollt, gewickelt, gedippt. So isst man in Vietnam!

Am meisten beeindruckt hat mich natürlich das Essen. Ich wohne in Berlin. Dort kennt man vietnamesische Imbisse, ich weiß, was Bun Bo Nam Bo und Pho ist, ich kenne Sommerrollen.

Was ich nicht wusste, wie vielfältig, frisch und gesund das Essen in Vietnam wirklich ist. Und wie viel gewickelt wird!

 

Das schönste am Essen dort: Man teilt! Immer werden alle Gerichte und Zutaten in die Tischmitte gestellt und gemeinsam gegessen bzw. genascht. Es geht in Vietnam nämlich augenscheinlich nicht darum, zu schlingen und schnell satt zu werden, es geht um den Genuss!

Vietnamesen essen oft, gar ständig, aber nie so richtig viel. Und sie rollen. Alles und jede Zutat ein. In Reisblätter, Salat oder beides.

Ich bin vernarrt in diese Art zu Essen. Ich mag es zu teilen, gemeinsam aus großen Schüsseln zu nehmen und das Gericht am Tisch fertig zu stellen. (Dann hab ich immer das Gefühl, noch ein bisschen selbst zu kochen, hihi)

Doch was schmeckt am besten? Ich habe für Euch eine Liste meiner 5 gewickelten Favoriten zusammen gestellt!

Top 5 – die besten Gerichte in Vietnam!

5. Pork and Shrimp Muffins

Fisch Cake

Dieses salzige, frittierte Gebäck durfte ich auf der Food Tour in Can Tho im Mekong Delta probieren. Und ganz ehrlich, ohne den Guide wäre ich nie auf die Idee gekommen, in diesem Laden zu essen: Eine riesige Frittiertstation, in der undefinierbare Teiglinge doppelt gebacken werden, umgeben von Neonlicht hätten mich nicht zum Reingehen überzeugt. Aber…

Die Tatsache, dass die knusprigen Umami-Muffins aber mit unzähligen Blättern und einem frischen Fishsaucen-Dip serviert werden, hat das ganze zu einem besonderen Geschmackerlebnis gemacht. Und ganz ehrlich: Ich habe noch NIE etwas so knuspriges gegessen. Der doppelten Stärkeschicht sei Dank!

Fisch Cake

4. Schweineohr-Rollen

Oh, ich gebe zu: Dieses Gericht war zu erst mehr ein Versehen…

Nach zwei Wochen wussten wir zumindest, was Schweinefleisch auf Vietnamesisch heißt. Also bestellten wir ein Roll-Gericht mit Schwein. Kleiner Haken: Das Wort für Ohrkannten wir nicht. Naja, das passiert eben, wenn man da Essen will, wo nur die Einheimischen Essen, die kein Wort Englisch sprechen…. 😉 Die Ohren waren gekocht und dann in frittierten, gemahlenen Schweineschwarten gewendet. Es war tatsächlich überraschend lecker und wir fühlten uns sehr stolz und mutig, den ganzen Teller aufgegessen zu haben! Allein deswegen ist mir das Gericht sehr positiv in Erinnerung geblieben.

3. Heringssalat mit Erdnüssen und Chili – Gỏi cá mai

Heringssalat kannte ich. Mit extra viel Mayo, Kartoffeln und sauren Gurken. Nicht gerade ein Gericht, dass ich mir bei 30 Grad im Schatten bestellen würde. Diesen Heringssalat hingegen schon!

Kennen lernen durfte ich ihn auf der Insel Phu Quoc. Und er schmeckt so unfassbar köstlich und frisch. Bestellt hätte ich mir dieses Gericht von allein nie. Zu präsent ist war die Vorstellung von supersaurem Hering mit extra viel Zwiebeln aus Deutschland. Aber da mich grundsätzlich nicht nur meine Bestellung sondern auch von alle anderen Gästen im Lokal brennend interessiert, konnte ich mir abgucken, was offensichtlich alle anderen hier ordern.

An den Tisch gekommen sind roh marnierte Heringe mit Limette und Fischsauce, bestreut mit extra, extra viel Erdnüssen, Kokosraspeln und selbst gemachten Röst-Schalotten. Dazu gab es wieder jede Menge knusprige Reisblätter, Salat und eine Orangen-Ernuss-Dippingsauce. Oh man, war das gut. So gut, dass wir am letzten Tag auf Phu Quoc nochmals in den gleichen Laden gegangen sind und vor lauter Esserei fast unseren Flieger verpasst hätten…

Das Reispapier in Vietnam war in den meisten Fällen viel dünner als das, das man hier kaufen kann. Man kann es ohne einweichen benutzen und es ist ein wenig knusprig im Gegensatz zur Latex ähnlichen Konsistenz von dem Papier das ich bislang kannte.

 2. Elefantenohr-Fisch

Auf unserer Mekong-Tour in Ben Tre, die wir über das liebevoll familiäre Hotel Oasis gebucht hatten, wurden wir mittags mit diesem unglaublich aussehenden Essen überrascht:

Boah! Es war ein Elefantenohr-Fisch im ganzen frittiert. Könnt Ihr Euch vorstellen, wie knusprig und abgefahren das geschmeckt hat? Gewickelt wird das zarte Fleisch in hauchdünnes Reispapier zusammen mit Gurke, Salat und süßer Ananas. Die Kombination aus Fisch und Obst ist eine Verbindung, die man in Vietnam sehr oft serviert bekommt.

 

Selbst komplett kahl gezupft sieht dieser Fisch noch mega spektakulär aus, oder?!

1. Bò Lá Lốt

Mein absoluter Favorit in Vietnam Bò Lá Lốt! Ein Gericht bei dem Rindfleisch – das „Bò“ – in Betelblätter gewickelt und gegrillt wird, um dann wiederum in Reisblätter verpackt zu werden.

 

s eine Gericht. Zu den Röllchen werden stets scharfe Fischsauce, Sternfrucht, Salat, hauchfeine Reisnudeln und Reisblätter serviert. Die Rindfleisch-Röllchen werden nach dem BBQ mit einer Art von Mayonnaise und Erdnüssen bestreut. Alles zusammen eingerollt schmeckt so herzhaft, rauchig, frisch und würzig, dass es sich schon für dieses Gericht lohnen würde, wieder nach HO Chi Minh zu fliegen! Ehrlich!

 

Der Familienpapa grillt die Rindfleisch-Röllchen übrigens direkt auf der Straße. Zu- und Abluft geschieht mit Hilfe von alten PC-Lüftern. Kreativ muss man eben sein!

Außer Konkurrenz…

 Sommerrollen (Fresh Spring Rolls) und Frühlingsrollen

In Vietnam gibt es neben lauter verrückten Rollen auch zwei Sorten, die es bei uns auch gibt. Zum einen die frischen Sommerrollen und verrückter Weise schmecken sie in Vietnam ähnlich fad wie bei uns… Egal, in die richtige Fischsaucen Mixtur getunkt, finde ich sie natürlich trotzdem spitze. Bei dem Ausblick ohnehin…

Würziger sind die frittierten Frühlingsrollen, deren Teig viel dünner ist als bei uns. Gefüllt sind sie meist mit Schweinehack und Garnelen, was das ganze besonders spannend macht.


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Pasta machen in der Toskana – die wohl schönste Familiensache der Welt.

Die Mama, die Oma, die Schwester, der kleine Sohn sowie Papa und Küchenchef Andrea: Alle zusammen stehen in der großen Küche mit dem lodernden Holzofen, kneten Pasta, rühren Ragout, pflücken Gemüse im Restaurant-Garten. Und das jeden Tag. Schöner kann ich mir ein Familienleben kaum vorstellen und auch die Familie Franci sieht ziemlich glücklich dabei aus.

Heute darf ich für einen Tag Teil der putzigen Patchwork-Sippe sein und Pasta machen. Genau genommen Trüffelpasta. Ich liiiiieeeebe Trüffel!

Aber von vorne. Am allerersten Abend in der Toskana wurde uns von unserem Gastgebern im Agritourismo die Trattoria Vallerana empfohlen. Dort aßen wir dann regionales Rind, jede Menge heimische Wurstspezialitäten und wunderbare, gefüllte Nudeln. Wie ich eben so bin, fragte ich dort beim Dessert den Kellner, ob man in der Küche wohl einmal beim Pastamachen zusehen könne… Beim Bezahlen wurden wir prompt für den nächsten Morgen um 10 Uhr in die Küche bestellt. Ob es ok sei, Ravioli mit Trüffel zu machen, das stünde ohnehin auf dem Tagesplan“ JAAAACKPOT!

Ein bisschen aufgeregt „Welches praktische Urlaubsoutfit wähle ich?, wie verständigen wir uns?, dürfen wir auch helfen oder nur zuschauen?“ stehen Tammo und ich pünktlich in der Küche. Dort liegen bereits schneeweiße Kochjacken und Schürzen für meinen Freund und mich bereit. Kurz wird die gesamte Familie vorgestellt (Mama, Oma, Schwester, Tante Sohn,…) und die Eier zum Tisch gebracht. Los gehts!

Während Küchenchef Andrea Franci 28 Eier, 2 Kilo Pastamehl und 1 Kilo Hartweizengries zusammenschüttet, erzählt er, dass er in Südtirol kochen, English und ein bisschen Deutsch gelernt hat.“ Dabei zeigt der Familienvater stolz den knallgelben Teig und erklärt, dass man ohne Pastamaschine noch ein paar Eier mehr nehmen müsse, etwa 10 Eier pro Kilo Mehl. So jedenfalls hätte es ihm seine Großmutter beigebracht.

Während die Nudelmasse in der großen Maschine knetet, kommt Andreas Mutter mit dem Ricotta und Probierlöffeln zum Arbeitstisch. Sie zeigt mir den Mangold, den Parmesan und die Trüffelcreme, die die Füllung so geschmackvoll machen. Dann darf ich alles kosten und würde am lieben die komplette Schüssel weg löffeln, aber dazu komme ich nicht. Denn nun müssen die Raviolis ausgerollt und gefüllt werden.

Dazu nehmen wir allerdings den Teig von gestern. “ Denn der neue muss ruhen“, erklärt Andrea. Eine kleine Portion für die Kids eine große für mich. Ich weiß nicht, ob Andrea nur feundlich sein will oder ich mich doch gar nicht so ungeschickt angestelle, auf jeden Fall darf ich nach einer kurzen Einführung plötzlich die gesammte Produktion übernehmen. Ausrollen, füllen, zukleben, ausstechen. WOW, macht das Spaß!

Während ich arbeite, läuft der Chef immer wieder zum Kühlhaus, präsentiert uns aufgeregt den marmorierten und monströsen Rinderrücken, der heute morgen frisch geliefert wurde, dann das passende Bild von dem Maremma-Rind auf seinem Handy, die Slow-Food-Wurst mit wildem Fenchel und die frischen Lamminnereien. „Die Gäste bekommen das Fleisch, wir behalten das Innere und Beste für die Familie.“ Aha, so geht Perso-Essen in der Maremma! Apropos… Ob wir nicht zum Mittagessen bleiben möchten. Es gäbe nichts Aufregendes… nur ein paar Spaghetti aglio olio, Lamm-Herz-Ragout, Trüffel-Crostini und Zucchini aus dem Garten…

Schon sitzen alle zusammen am großen Tisch im Wintergarten und ich weiß jetzt schon, dass dieses Erlebnis mein großes Urlaubshighlight sein wird!

Bella Toskana! Was ich in meinem ersten richtigen Italien-Urlaub alles erlebt habe

Es war mein erster Urlaub in Italien. Zumindest mein erster richtiger. Denn den Trip nach Venedig zur Biennale während des Kunst-Studiums oder das Wochenende zum Rom-Sightseeing kann man genauso wenig als richtigen Italien-Urlaub bezeichnen wie meine Schülerfreizeit mit dem Bus nach Rimini. Eine Fahrt mit dem Cinquecento durch die Toskana – zwischen Weinberg und Agritourismo – DAS ist Italien. 😉

Der Urlaub beginnt eigentlich schon zu Hause, wenn man erzählen kann, dass man gebucht hat. Denn jeder hat eine Meinung zur Toskana, jeder weiß, dass es dort romantisch, rustikal und lecker ist. Man hört Tipps von urigen Bauernhöfen, süffigen Weinstraßen und uralten Städtchen. Ich mag diese „vor dem Urlaub Unterhaltungen“. Ich liebe es, darüber zu spekulieren, wie es in einem Land wohl ist und was man dort isst. Besonders schön ist es, wenn sich vor Ort dann alles als ganz anders oder sogar besser heraus stellt.

Mein total subjektives Italien

Das Essen

Ich war mir sicher: Die Toskana ist die Region des Schlemmens, der Pasta, des Rotweins. Überall schmeckt es fabelhaft, die Mammamia steht immer persönlich hinterm Herd und im Gastraum bestellt man immer vier Gänge. Mindestens.

Wir haben also gleich bei unserem ersten Restaurant-Besuch brav vier Gänge bestellt. Einen großen toskanischen Schinken-Teller und Pecorino-Soufflé dann Trüffel-Ravioli und Pasta mit Wildschwein-Ragout (langsam war man schon pappsatt) dann folgten regionales, rosa gebratenes Rind und zum Abschluss Pistazieneis und Espresso.

Tatsächlich waren wir dann im ganzen Lokal die einzigen, die wiklich alle Gänge bestellten. Dass Italiener immer ein großes Menü bestellen, ist nämlich genauso wahr, wie dass man in Berlin immer nur Buletten und Mischgemüse isst.

Überhaupt schmeckt es in Italien gewiss nicht überall. In touristischen Gegenden ist das Essen oft herzlos und fad. Man muss suchen, bis man einen hochwertigen und am besten wirklich familiengeführten Betrieb gefunden hat, der mehr als Nudeln mit Ragout und Pizza Napoli serviert.

Aber einmal an solch einem Ort angekommen, kann die Völlerei beginnen. Ich empfehle gebratene Leber auf Crostini und Melanzane, dann Picci, das sind meist hausgemachte dicke Spaghetti, die in den guten Lokalen mit frischen Steinpilzen serviert werden, danach ein Bistecca alla fiorentina (T-Bone Steak vom Grill) und am Ende Gelato mit Salbei und Olivenöl. Café ist ohnehin obligatorisch. Wenn man ganz viel Glück hat, wird man vom Hausherr der Trattoria Vallerana sogar zum privaten Nudelkochkurs eingeladen und darf bei der Tagesproduktion mithelfen. Aber das wird ein ganz eigener Blog-Eintrag…

 

Obwohl fast an jedem Hügel dicke Trauben-Reben stehen, spielt der Wein eine vergleichsweise untergeordnete Rolle. Selten wurde uns im Lokal ein spezieller Wein empfohlen. Ein günstiger Hauswein (meist nur zwei oder drei Euro pro 1/4 Liter) hingegen ist Standard. Aber da wir eh meist mit dem Auto unterwegs waren, hat ein Quarto Chianti auch völlig ausgereicht.

Ein großes Highlight für mich waren die vielen wilden Früchte. Überall wachsen Feigen, Pfirsiche und Brombeeren zum Selbstbedienen. Und wenn niemand hinsieht, darf man sich auch eine angeditschte Wassermelone vom Feld nehmen…

 

Das Baden

Was ich vorher nicht wusste und wovon mir auch niemand berichtet hatte: Die Toskana hat die schönsten, wärmsten und stinkigsten Thermalquellen meiner Welt. Aus den Bergen bei Bagno Vignoni sprudelt 40 Grad warmes Schwefelwasser, man sitzt in dampfenden Schlammbecken, unter lauen Wasserfällen oder zwischen weißen, heißen Felsen. Insgesamt war das neben Trüffelpasta und Slowfood-Schinken das absolute Highlight der Reise!

 

Wer zum Strand-Urlaub in die Toskana fährt, muss Geduld oder Toleranz mitbringen. Geduld wenn man einsame, ruhige Sandstrände finden möchte, Toleranz wenn man zwischen Menschen und auf Steinen liegen will. Auf der Insel Giglio zum Beispiel gibt es von oben malerische anmutende Buchten wie die Cala Piccola, die sich unten angekommen als mit bunten Handtüchern bedeckt und supersteinig heraus stellen. Im klaren Wasser zu Baden oder Schnorcheln fetzt trotzdem!

Das Übernachten

Überall in der Toskana gibt es Agritoursmi. Das sind kleinere oder größere Bauernhöfe, die putzige Zimmer zum übernachten anbieten. Vor dem Urlaub habe ich das Internet stundenlang nach dem schönsten Hof mit den nettesten Gastgebern durchsucht. Im Nachhinein bin ich sicher, die sind alle schön.

Ich habe selten so viel Gastfreudschaft erfahren, wie auf den Höfen in denen wir einkehrten. Obwohl man sich nur mit Händen und Füßen verständigen kann, denn natürlich spricht dort niemand Englisch oder gar Deutsch, wird man liebevoll umsorgt. Beim Aussteigen aus dem Auto wird man vom Haushund Schwanz wedelnd gegrüßt,  zur Ankunft bekommt man Wein und Weintrauben vom eigenen Hang, Abends kocht die Mama des Besitzers, der wiederum noch eine extra Portion Trüffel über die Nudeln hobelt, alternativ werden Insider Restaurant-Tipps für die Umgebung verraten.

Ich werde ganz bestimmt zurück kommen in die Toskana. Dann will ich die tausenden Sonnenblumen strahlen sehen, denn die waren alle leider schon verblüht…